Heimatverein Hötzelsroda

Wir sind der Verein ,,Brauchtum und Kulturpflege Hötzelsroda, oder kurz ,,Heimatverein“
Wir leben Heimat!

Der Winter 1962-1963 in Hötzelsroda

Der Winter 1962 zu 1963 war etwas Besonderes, auch für mich als achtjährigen Jungen, obwohl in der Erinnerung da noch gar nicht viele Winter gespeichert waren. Laut Wikipedia ging er schon Ende November 1962 richtig los, aber das weiß ich nicht mehr. Woran ich mich aber erinnern kann, ist die ungeheure Schneemenge, welche sich in der Feldstraße in Schneewehen vor den Hecken, Zäunen und Häusern türmte. Nach Wikipedia fiel nicht viel Schnee, aber durch den langanhaltenden und starken Ostwind, lag er vor unseren Häusern. Der Schnee lag etwa 2 Meter hoch, plus minus einen halben Meter. Das Haus zu verlassen, um zur Bushaltestelle oder zur Schule zu gehen, war sicher einige Tage lang nicht möglich. Auch die Busse werden einige Tage lang nicht gefahren sein, die Arbeit in Eisenach fiel dann aus. Nachdem der Wind nachgelassen hatte, schippten die Anwohner dann vor ihren Grundstücken den Fußweg bis zur Hauptstraße (Eisenacher Straße) und Querweg frei. Wir Kinder halfen mit, insbesondere bei dem langen Grundstück Querstraße 15. Von der Eigentümerin Frau Ilse Rack gab es dann Bonbons oder Würfelzucker als Belohnung. Schlitten und Ski gefahren sind wir auf der Schneewehe. Weiterhin haben wir Höhlen und Gänge gegraben und Iglus gebaut. Ein toller Spaß. Die Fahrbahn der Feldstraße wurde nicht geräumt, dafür gab es keine Technik und das Schippen wäre zu mühsam gewesen.

Kein Spaß war es für unsere Eltern, insbesondere bei starkem Wind, die Küchen und Wohnzimmer warm zu bekommen. Ich kann mich an minus 24 grd C, und gleichzeitig starken Wind erinnern. Die Fenster waren nicht besonders dicht.

Handtücher wurden dahin gelegt, wo es am meisten reinzog. Warm war es nur unmittelbar an dem kleinen Kachelofen, der in unserer Stube stand. Der Wind entfachte einen ordentlichen Zug im Schlot, so dass die Eltern kaum mit dem nachlegen der Braunkohlenbriketts hinterherkamen. In den Schlafzimmern im Obergeschoss war es frostig. Wie kalt weiß ich nicht, so viele Thermometer gab es im Haus nicht. Die Wandschrägen bestanden ja nur aus etwa 3-4 cm

„Sauerkrautplatten“, , also fast keine Isolierung. Vor dem zu Bett gehen, wurden

für alle Wärmflaschen vorbereitet und Decken auf dem Ofen angewärmt. Das führte dazu, dass alle Decken Brandflecken hatten. In die warmen Decken wickelten wir uns zusätzlich ein, die Wärmflaschen kamen zu den Füßen. Am Morgen hatten wir Reif auf der Bettdecke, da der Atem gefror. Ein Horror war es, auf das Plumpsklo zu gehen. Es war nicht geheizt, und der eiskalte Wind zog durch die Fäkaliengrube direkt auf den nackten Hintern.

Laut Wikipedia begann das Tauwetter zwischen dem 5. und 8. März 1963. Ich kann das bestätigen, denn am Abend des 8. März, ein Freitag, gingen die Frauen über die schneefreie Hauptstraße in das Kulturhaus zur Frauentagsfeier und die Schneewehen schmolzen. Aber sie lagen noch sehr lange.

Zur Schneeschmelze begann für uns Kinder der nächste Spaß. Die Feldstraße war noch nicht asphaltiert. Da lag nur gewalzter Schotter und Kies. Das führte dazu, dass das Schmelzwasser in unzähligen Bächen die Straße runterlief. Da konnte man toll spielen. Wasser wurde umgeleitet und in Staudämmen aus Schneematsch gesammelt. Diese wurden geöffnet, wenn sie voll waren und eine kleine Flutwelle ergoss sich, uns zur Freude, über die Straße. Dazu wurden Schiffchen aus Papier gebastelt, die eine Strecke mitschwammen, ehe sie aufgeweicht zerfielen. Einen ähnlichen Effekt gab es im Sommer nach Gewittern. Für Staudämme mussten wir dann aber Erde vom Feld holen.

Es wäre schön, zu diesem Winter ein paar weitere Bilder zeigen zu können. Also werte Leser, schaut mal zu Hause nach und fragt in eurem Bekanntenkreis. Es muss niemand Bilder abgeben, es kann alles kopiert werden.

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